
Die Rossameise ist eine der grössten einheimischen Ameisenarten und in der Schweiz weit verbreitet. Sie lebt bevorzugt in trockenen, sonnigen Waldgebieten, ist jedoch zunehmend auch in Siedlungsnähe anzutreffen. Besonders problematisch wird sie, wenn sie in Häuser eindringt und dort Hohlräume, Dachsparren oder Holzverkleidungen zur Nestanlage nutzt. Im Gegensatz zur Schwarzen Wegameise kann die Rossameise durch Holzzerlegung bauliche Schäden verursachen.
Rossameise (Camponotus ligniperda)
- Reich: Tiere (Animalia)
- Stamm: Gliederfüsser (Arthropoda)
- Klasse: Insekten (Insecta)
- Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
- Familie: Ameisen (Formicidae)
- Gattung: Camponotus
- Art: Rossameise (Camponotus ligniperda)
Grösse:
- Arbeiterinnen: 6 bis 14 mm
- Königin: bis zu 18 mm
- Männchen: 8 bis 12 mm (geflügelt)
Aussehen:
- Zweifarbiger Körper: Kopf und Brust schwarzbraun, Hinterleib meist schwarz
- Sehr grosse, kräftige Erscheinung
- Lange Beine und auffällige Mandibeln
- Männchen und Jungköniginnen sind geflügelt zur Paarungszeit
Lebensweise:
- Staatenbildend mit mehreren tausend Tieren
- Klare Arbeitsteilung zwischen Königin, Arbeiterinnen und Männchen
- Nester in Totholz, Baumstümpfen, morschen Balken, Wandverkleidungen oder auch in Zellulose (Erfahrungsbericht)
- Keine Holzfresser, aber Holzzerstörer durch Aushöhlung
Fortpflanzung:
- Schwarmflug zwischen Mai und Juli bei warmem, windstillem Wetter
- Nach der Begattung gründen Jungköniginnen neue Kolonien
- Die Kolonie wächst langsam, erreicht aber grosse Individuenzahl nach mehreren Jahren
- Königin kann über 10 Jahre alt werden
- Männchen sterben kurz nach der Paarung
Neststandorte:
- Baumstümpfe, morsches Totholz, Holzlager
- Dämmschichten, Zwischenwände, Holzverkleidungen im Haus
- Terrassen, Schuppen, Dachstühle
- Kolonien ziehen sich tief in Strukturen zurück und bleiben oft unentdeckt
Ernährung:
- Honigtau von Blattläusen, Pflanzensäfte
- Insekten und Eiweissquellen zur Fütterung der Larven
- Zuckerhaltige Substanzen wie Sirup, Säfte, Süsswaren
- Keine Holzernährung wie bei Termiten, aber mechanisches Aushöhlen zur Nestanlage
Verhalten:
- Vorwiegend nachtaktiv
- Sehr scheu und geräuschempfindlich
- Bewegungen oft ruhig und zielgerichtet
- Arbeiterinnen patrouillieren in regelmässigen Bahnen
- Nestverteidigung erfolgt nur bei direkter Störung
Bauliche Schäden:
- Aushöhlung von Balken, Dämmschichten, Holzträgern
- Späne und Holzmehl an Nestöffnungen als Erkennungsmerkmal
- Oft über Jahre unentdeckt mit zunehmender Zerstörung
Schwarmflug:
- Plötzlicher massiver Auftritt von geflügelten Tieren in Innenräumen
- Sichtbarer Schwarm kann für Unruhe und Irritation sorgen, psychische Belastung
Krankheitsübertragungen:
- Transport von Mikroorganismen aus Abwasser, Müll oder Erde
Gebäudeschutz:
- Ritzen, Fugen und Mauerspalten abdichten
- Fenster- und Türrahmen kontrollieren und abdichten
- Feuchtes und morsches Holz vermeiden oder ersetzen
- Lebensmittel luftdicht verschliessen
- Keine Essensreste oder offene Abfallbehälter stehen lassen
Aussenbereich:
- Futterquellen wie Blattlausbefall reduzieren
- Brennholz nicht direkt am Haus lagern
- Baumstümpfe, totes Holz und stark verwitterte Holzteile entfernen
Verhalten:
- Ameisenstrassen frühzeitig erkennen und unterbrechen
- Keine eigenen Insektizide in Innenräumen anwenden ohne Beratung
- Wiederholtes Auftreten systematisch beobachten
Erfahrung mit Rossameisen: Zellulose-Isolation als Nest
Im Frühjahr 2025 erhielten wir einen Auftrag wegen Rossameisenbefalls in einem Einfamilienhaus am Waldrand. Die betroffene Familie hatte bereits erfolglos bei anderen Schädlingsbekämpfungsfirmen angefragt. Diese lehnten eine Bekämpfung telefonisch ab, da ein Einsatz in Waldrandnähe für sie nicht zielführend sei. Bei uns ist jedoch eine Ablehnung ohne vorherige Inspektion ausgeschlossen.
Unser Techniker führte vor Ort eine sorgfältige Beratung und Inspektion durch. Dabei fiel ihm rasch auf, dass das betroffene Zimmer ein ehemaliges Dachfenster aufwies. Dieses war aussen mit einem Holzvorbau verschlossen und innen mit einer Holzplatte abgedeckt. Dahinter befand sich eine Zellulose-Isolation, welche von den Rossameisen als Nistmaterial verwendet wurde.
Da Rossameisen Holz zerkleinern, eignete sich die lose Zellulose ideal als Nistmaterial. Die Isolation war teilweise zerfressen und im unteren Bereich stark durchnässt. Wir entfernten das betroffene Material vollständig und saugten die Ameisen ab. Zusätzlich setzten wir gezielt ein zugelassenes Insektizid ein.
Anschliessend war eine deutliche Verbesserung spürbar. In Zusammenarbeit mit einer Baufirma wurde anschliessend besprochen, wie man die betroffene Stelle künftig baulich so absichern kann, dass sich derartige Fälle nicht wiederholen. Folgend hat der Kunde, entsprechende bauliche Massnahmen eingeleitet.
